Trend-Meinung
Es ist noch genug Öl da, man sieht es ja. Nach den Prognosen aus dem letzten Jahrhundert sollte das Öl doch schon längst zu Ende sein.

Fakten
Fakt ist: Die weltweite Rohölförderung ist 2014 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent auf etwa 4,3 Mrd. Tonnen (t) gestiegen. Einzelne Ölfelder wie die in der Nordsee haben allerdings unbemerkt von der Öffentlichkeit längst das Fördermaximum überschritten. Neufunde von großen Ölfeldern sind eher selten. Es muss in immer größeren Tiefen nach Öl gebohrt werden. Neu entdeckte Ölfelder sind oft klein und können die bereits leergepumpten Felder nicht ersetzen. Öl wird vielfach derzeit in großen Mengen einfach verbrannt, obwohl es in der Medizin zur Herstellung von Arzneimitteln nahezu unersetzbar ist. Das hat Auswirkungen auf die zukünftigen Generationen.



1. Peak-Oil-Theorie
Die Peak-Oil-Theorie aus dem Jahr 1956 geht auf den britischen Geologen und BP-Ölexperten Marion King Hubbert zurück. Als Peak-Oil wird der Zeitpunkt bezeichnet, ab dem die Ölförderung einer Region, eines Landes bzw. der Welt ihr Maximum erreicht (rote Kurve) und danach abnimmt. Hubbert hat die Peak-Oil-Theorie ausgehend vom Produktionsverlauf einzelner Ölfelder abgeleitet und auf die Rohölproduktion in Nordamerika sowie weltweit übertragen. Bedingt durch die zunehmende Erschließung von unkonventionellem Öl (Ölschiefer, Schiefersand etc.) lässt sich der Peak-Oil-Zeitpunkt für die weltweite Ölproduktion derzeit noch nicht vorhersagen.

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2. Peak-Oil: Öl-Förderung in der Nordsee bis 2020 bedeutungslos - Rückgang schneller als gedacht

Die Peak-Oil Theorie für eine ganze Förderregion lässt sich sehr gut am Beispiel der Rohöl-Förderung in der Nordsee nachvollziehen. Der in der Nordseeöl-Grafik zu sehende glockenhafte Förderverlauf ist typisch für die Ausbeutung von Ölfeldern. Zunächst fließt das Öl auf Grund des hohen Drucks in den unterirdischen Lagerstätten fast von alleine. Später lässt der Druck mehr und mehr nach und das Öl muss immer aufwändiger herausgepresst werden.

Die Produktion von Nordsee-Öl hat bereits 1996 mit einer Jahresförderung von etwa 260 Mio. t ihr Fördermaximum erreicht, ohne dass dies die Öffentlichkeit mitbekommen hat. Im Jahr 2013 ist die Rohölförderung in der Nordsee mit 106,2 Mio. t. auf den niedrigsten Stand der letzten 35 Jahre gesunken. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr 2012 einem Rückgang um 5 Prozent (2012: 112,3 Mio. t). Mit 107,4 Mio. t hat sich die Ölförderung in der Nordsee im Jahr 2014 etwas stabilisiert. Eine grundsätzliche Unterbrechung des Trends der rückläufigen Ölförderung ist darin nicht zu erkennen.

Wenn sich der Förderrückgang weiter fortsetzt, dürfte die Förderung von Nordsee-Öl in zehn Jahren bedeutungslos sein. Daran ändern auch neue Fördertechniken und bislang unerschlossene Ölfelder nichts. Die Suche nach neuen Ölfeldern läuft in der Nordsee zwar auf Hochtouren. Angesichts der Vielzahl bereits durchgeführter Bohrungen erwarten Experten allerdings keine größeren Ölfeldfunde mehr.

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3. Ölkonzerne reden nicht gerne über sinkende Ölreserven
Die Ölkonzerne haben kein ernsthaftes Interesse an der Veröffentlichung von Daten über den tatsächlichen Füllstand der einzelnen Ölfelder. Daher findet der Prozess des Öl-Niedergangs schleichend statt und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt.

4. Wann erreicht die Weltrohölförderung den Peak-Oil-Zeitpunkt? - Rohöl-Förderung wird technisch immer aufwändiger
Der Verlauf der Förderkurve einzelner Ölfelder sowie von Ölförderregionen wie der Nordsee lässt sich grundsätzlich auch auf die weltweite Produktion von Rohöl übertragen. Unklar ist jedoch, wann die Weltölförderung ihr Maximum überschreitet. Insbesondere wirtschaftlich aufstrebende Schwellenländer wie China und Indien sorgen durch ihren Energiehunger für einen weiteren Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Rohöl. 2014 ist die Rohölförderung im Vergleich zu 2013 um 2 Prozent auf 4,3 Mrd. t gestiegen.

Der sukzessive Rückgang der Fördermengen einzelner Ölfelder und Förderregionen und die im Vergleich zu deutlich geringeren Neufunde machen allerdings deutlich, dass es immer schwieriger wird, die Nachfrage zu befriedigen. Um neue Ölvorkommen zu erschließen, kommen daher immer aufwändigere technische Verfahren zum Einsatz. Dabei dringt die Ölindustrie bei der Erschließung der Ölfelder unter dem Meeresboden in immer größere Tiefen vor. Neben den Kosten steigen durch den wachsenden technischen Aufwand allerdings auch die Sicherheitsrisiken. Zudem stoßen angesichts der möglichen Auswirkungen auf die Umwelt stoßen alternative Explorationsverfahren wie z.B. die Gewinnung von Öl aus Schiefersanden international auf Kritik.

5. Was kommt nach dem Erdöl?
Erdöl ist ein fossiler Energieträger und letztendlich über die abgelagerte und verdichtete Biomasse nichts anderes als gespeicherte Sonnenenergie. Das Öl wird von den Menschen für die Elektrizitätserzeugung, aber auch im Verkehrssektor zum Betrieb von Autos schlicht und einfach verbrannt. Dabei ist Öl eine endliche, kohlenstoffbasierte Ressource und beispielsweise für die künstliche Herstellung von Kunststoffen, Arzneien oder speziellen Medikamenten fast unersetzlich. Letztendlich werden mit dieser Verhaltensweise heute schon die Arzneimittel für zukünftige Generationen einfach verbrannt. 

Was kommt nach dem Öl? Niemand weiß genau, wie lange die Öl-Reserven tatsächlich noch reichen. Es ist ein schleichender Prozess. Die ölproduzierenden Länder hüten die eigenen Rerserveangaben auch aus Furcht vor Spekulationen und einem Verfall der Landeswährungen wie ein Staatsgeheimnis.
Auch ist kaum jemandem das ganze Ausmaß der Abhängigkeit vom Erdöl bewusst. Die Grundstoffe der chemischen Industrie basieren auf Erdöl. Mit Erdöl werden also nicht nur die Autos betankt oder Öl-Heizungsanlagen betrieben. Erdöl ist in fast allen Bereichen unseres Lebens zu finden: im Kunststoff, in Farben und Lacken, Vinylböden, Schaumstoffen, Matrazen oder Seifen, in der Kleidung, in Klebstoffen, Schmiermitteln, Verpackungen, usw. All diese praktischen Dinge müssten wir nach Ende des Ölzeitalters auf der Grundlage nachwachsender Rohstoffe herstellen.




Links
1. Förderung wird bedeutungslos - Nordsee-Öl versiegt, n-tv v. 08.09.2012
2. Öl-Produktion in der Nordsee auf niedrigstem Stand seit 30 Jahren, Die Welt v. 08.09.2012
3. Fördermenge auf Tiefstand - Nordsee-Öl schon in 10 Jahren nahezu versiegt, Focus v. 09.09.2012
4. Sustainable Guernsey: North Sea crude oil extraction falls in 2011 to lowest level in 30 years
5. Olieproductie Noordzee op laagste niveau sinds 30 jaarOlieproductie Noordzee op laagste niveau sinds 30 jaar


Pressemitteilungen
und IWR Online-Meldungen

1. Weniger Öl: Förderung aus der Nordsee fällt 2011 auf tiefsten Stand seit 30 Jahren, IWR-Pressemitteilung vom 08.09.2012

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