CERINA Plan
Der CERINA-Plan (CO2-Emissions and Renewable Investment Action Plan) wurde vom Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) entwickelt. Das Klimaschutz-Modell ist ein Investitionsansatz und stellt eine Alternative zum Kyoto-Protokoll mit den CO2-Obergrenzen dar: Denken in 'Investitionen' statt in 'CO2-Begrenzungen' - investieren statt feilschen.


CERINA-Plan: Denken in 'Investitionen' statt in 'CO2-Begrenzungen' oder 'Emissionsbudgets'  
Der Grundgedanke des CERINA-Plans ist als Folge der gescheiterten UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 entstanden. Die Grundlage sind Investitionsbeiträge der Länder. Wirtschaftsmodelle mit Investitionen sind im Unterschied zu Begrenzungs- bzw. Bestrafungsansätzen und dem Feilschen um CO2-Obergrenzen positiv besetzt. Das zeigen beispielsweise die Rankings der Staaten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). In einer Investitions-Debatte stehen Innovationen, Wachstum und Beschäftigung im Vordergrund. Von großer Bedeutung beim CERINA-Plan ist es, dass bei diesem investitionsbasierten Klimaschutz-Ansatz alle Länder grundätzlich mitmachen und einbezogen werden können.

Globaler Klimaschutz mit dem CERINA-Investitionsansatz - Grundprinzip und Funktionsweise
Das CERINA-Plan Prinzip: Der globale Anstieg der Emissionen, d.h. das Wachstum, ist mit rd. 500 - 700 Mio t CO2 jährlich sehr genau bekannt. Rückwärts bzw. vom Ergebnis her gerechnet bzw. gedacht kann ermittelt werden, wie hoch die jährlichen Investitionen in regenerative bzw. CO2-freie Techniken sein müssen, um diesen globalen CO2-Zuwachs zu kompensieren und damit den CO2-Anstieg zu stoppen. Nach IWR-Berechnungen sind das weltweite Investitionen in Höhe von jährlich rd. 500 Mrd. Euro.

Investitions-Beiträge der Länder und verursachergerechte Verteilung auf die Staaten im Fokus
Der zweite Schritt ist die verursachergerechte Verteilung der Investitionen auf die Länder. Die Verteilung setzt im IWR-Modell am CO2-Ausstoß eines Landes selbst nach dem Grundprinzip an: je höher der CO2-Ausstoß eines Staates, je höher die Investitionen.

Aus der Gesamthöhe der Investitionen und dem gesamten weltweiten CO2-Ausstoß ist es möglich, einen Investitions-Verrechnungssatz pro Tonne CO2 (16 Euro pro t CO2) zu ermitteln. Weil für jeden Staat die CO2-Emissionen bekannt sind, kann recht einfach die Höhe der nationalen Investitionen in CO2-freie Techniken berechnet werden (CERINA-Tabelle 2014), um den jährlichen globalen CO2-Anstieg zu stoppen. Ein höherer Verrechnungssatz führt zu einer stärkeren Absenkung des weltweiten CO2-Ausstosses.

Länder behalten volle Handlungs-Kontrolle über ihre Klimaschutz-Aktivitäten (Emissionshandel, Energiesparent, etc.)
Vorteile für die Länder: Jedes Land auf der Welt kann sich grundsätzlich beteiligen, denn EE-Investitionen sind überall möglich. Der CERINA-Plan greift nicht in die nationalen Aktivitäten der Länder ein oder präferiert ein Modell. Jedes Land kann beliebige eigene Maßnahmen und Energiepolitiken zur nationalen CO2-Minderung wie Wärmedämmung, Emissionshandel, Energieffizienz-Maßnahmen, etc. einsetzen, um den CO2-Ausstoß zu senken. Die geringeren CO2-Emissionen des Staates wirken sich direkt in einem niedrigeren Landesbeitrag bei den EE-Investitionen aus. Die EE-Investitionen wiederum selbst senken den CO2-Ausstoß. In Summe und im Ergebnis führen beide Wege (CO2-Minderungsmaßnahmen und EE-Investitionen) zu einem geringeren globalen CO2-Ausstoß. Ein Handlungs-Stillstand wird vermieden.



Internationaler Klimaschutz mit dem CERINA-Plan: Vorteile und Wirkung
Der CERINA-Plan entfaltet seine Wirkung dadurch, dass die bisherige Handlungs-Lähmung überwunden und letztendlich staatliche Aktivitäten und Maßnahmen zur CO2-Minderung initiiert werden, und zwar durch Maßnahmen zur CO2-Minderung oder Vermeidung (u.a. Emissionshandel), Effizienzmaßnahmen oder Ausbau der erneuerbaren Energien.

Anwendungs-Beispiel des CERINA-Plans für einen Staat und Wirkung des Investitonsmodells 
Ausgangssituation
Beispiel-Staat: Status quo - jährliche CO2-Emissionen in Höhe von 100 Mio t CO2
CERINA-Plan: 100 Mio Tonnen CO2 x 16 Euro pro Tonne = 1,6 Mrd. Euro Soll-Investitionen in Erneuerbare Energien als Beitrag zum globalen Klimaschutz

Welche politische Wirkung entfaltet der CERINA-Plan?
Grundsätzlich hat der Beispiel-Staat nun die Wahl, CO2 auf unterschiedlichen Wegen zu mindern und/oder in Erneuerbare Energien zu investieren. Aus einer Vielzahl von Variatinsmöglichkeiten nachfolgend zwei ausgewählte Beispiele für staatliche Handlungsvarianten bzw. -szenarien:

Variante 1: In dem Beispiel-Staat werden 1,6 Mrd. Euro in Erneuerbare Energien gemäß dem CERINA-Plan investiert und so der CO2-Ausstoß anteilig am weltweiten CO2-Ausstoß gesenkt, weitere CO2-Minderungsmaßnahmen über andere Instrumente finden nicht statt

Variante 2: In dem Beispiel-Staat werden Energieeinsparmaßnahmen erfolgreich umgesetzt und ein Emissionshandel eingeführt. Diese Maßnahmen führen zu einer angenommenen Reduktion um 20 Mio. t CO2 auf nur noch 80 Mio t CO2 jährlich. Im Ergebnis sinken die Soll-Investitionen nach dem CERINA-Plan um 340 Mio. Euro auf nunmehr 80 Mio x 16 Euro = 1,26 Mrd. Euro (vorher: 1,6 Mrd. Euro, s. Variante 1).


Die 5 Vorteile des CERINA-Plans für den globalen Klimaschutz

  1. CERINA-Plan: staatliche Aktivitäten / bzw. aktive Investitionen in Klimaschutz-Maßnahmen stehen im Vordergrund, nicht die Verhandlungstaktik
  2. Alle Länder können prinzipiell mitmachen und werden eingebunden, da EE-Investitionen überall möglich sind
  3. Eigene CO2-Minderungsmaßnahmen der Länder, vorhandene Instrumente wie der Emissionshandel in den Staaten werden im CERINA-Plan explizit berücksichtigt
  4. Die lähmende Handlungs-Stagnation der Staaten kann überwunden werden. Auf jeder UN-Klimakonferenz werden die Investitions-Aktivitäten in Abhängigkeit vom CO2-Ausstoß der Staaten vorgestellt. Ein öffentliches Investitions-Ranking mit Soll/Ist-Vergleich  motiviert Politiker, Investitionen im eigenen Land voranzutreiben
  5. Ob durch Investitionen in CO2-Minderungsmaßnahmen oder in Erneuerbare Energien, eine CO2-Minderung erfolgt in jedem Fall!


Klimaschutz mit Kyoto-Modell funktioniert nicht: CO2-Anstieg seit 1990 um über 50 Prozent

Seit vielen Jahren streitet die Weltgemeinschaft beim Klimaschutz über den richtigen Weg. Trotz aller Bemühungen und UN-Klimakonferenzen ist der jährliche Ausstoß an CO2 für die energiebedingten Emissionen auf zuletzt fast 36 Milliarden Tonnen gestiegen. Das sind knapp 60 Prozent über dem Wert von 1990 (22,6 Mrd. t), dem Basiswert für das Kyoto-Protokoll. Fazit: Der Kyoto-Modellansatz mit einer vertraglichen Übereinkunft über CO2-Obergrenzen funktioniert nicht.

CO2 Emissionen
Die Kyoto-Sackgasse - Warum das Kyoto-Protokoll nicht funktioniert  

Das Kyoto-Protokoll stellt im Kern einen Begrenzungs- bzw. Bestrafungsansatz dar. Länder mit hohem CO2-Ausstoß werden als „Sünder“ an den Pranger gestellt. Klimaschützer fordern immer wieder eine direkte CO2-Begrenzung. Die kausale Folge: Die Reduktionsforderung wird von der Politik je nach Land mehr oder weniger stark aufgegriffen, die beste Lösung scheint eine vertragliche CO2-Begrenzung zu sein. Das zentrale Problem liegt im Lösungsansatz: Mit jeder vorgeschlagenen CO2-Begrenzung in einem Staat reagiert die Wirtschaft jedes Landes reflexartig mit Verlust oder Verlagerung von Arbeitsplätzen. Auch dürfte das gegenseitige Vertrauen in die Einhaltung von Verträgen gering sein, die Sorge vor einer Übervorteilung ist hoch. Letztendlich bleibt die Frage, wer die Vorgaben international überprüft und welche Konsequenzen bei Missachtung erfolgen. Das Ergebnis: ein jahrelanges Feilschen um die Höhe der CO2-Emissionen wie auf einem Jahrmarkt, gegenseitige Schuldzuweisungen und Misstrauen führten letztendlich in die klimapolitische Sackgasse.

Das Denken in Emissionsbudgets - Problemverschiebung auf die nächste Generation
Eine Abwandlung des Kyoto-Begrenzungsansatzes mit der Verhandlung über CO2-Obergrenzen hat sich in jüngerer Zeit mit der Diskussion über Emissionsbudgets entwickelt. Das Prinzip: Will man die Erderwärmung auf 1,5 oder 2 Grad begrenzen, dann darf nur eine begrenzte Menge an Treibhausgasen ausgestoßen werden. Dieser Modellvorschlag stellt im Kern lediglich eine  Modifikation des Kyoto-Begrenzungsansatzes dar. Der Unterschied: Die Staaten sind auf der Zeitachse flexibler, können ihr Budget ohne Konsequenzen schon jetzt vor- bzw. überziehen und die Konsequenzen nachfolgenden Generationen überlassen.

Klimaschutz: Wie geht es nach der UN-Klimakonferenz 2015 von Paris weiter?
Im Dezember 2015 hat die UN-Klimakonferenz von Paris stattgefunden, die einen grundlegenden Wandel in der internationalen Klimaschutzdebatte markiert. Paris steht für einen Paradigmenwechsel, der von fast allen Ländern getragen wird. Künftig stehen nicht mehr CO2-Obergrenzen, sondern die aktiven Beiträge der Länder zum Klimaschutz im Vordergrund. Mit Abkehr von Obergrenzen-Debatten hin zu Klimaschutz-Beiträgen ist ein erster Schritt umgesetzt worden, den auch der CERINA-Plan vorsieht. Der CERINA-Plan geht jedoch weiter und setzt auf konkrete, quantitativ-messbare Investitionsbeiträge der Länder.

Starkes Klimaschutz-Signal: Einbringung von Länder-Investitionen in CO2-freie Techniken löst Investitionsspirale aus
"Die Einbringung von aktiven Beiträgen zum Klimaschutz der Staaten in Paris ist ein erster wichtiger Schritt in Richtung Paradigmenwechsel", so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch. Dem ersten Schritt müsste aber nach IWR-Ansicht ein zweiter Schritt folgen. Allnoch: "Ein starkes aktives Signal an Investoren und die Wirtschaft wäre die Einbringung der Klimaschutz-Investitionen in CO2-freie Techniken je Land auf einer UN-Klimakonferenz. Eine Länderliste mit der Höhe der geplanten Investitionen löst eine Investitionsspirale aus, die jegliches Gefeilsche um CO2-Obergrenzen beenden würde und gleichzeitig dem globalen Klimaschutz dient." 

Wann kommt der globale CO2-Peak?
Ein solcher grundsätzlicher Paradigmenwechsel ist derzeit noch nicht erkennbar. Der neue Vertrag soll erst 2020 in Kraft treten und China erwartet seinen CO2-Peak ohnehin erst um das Jahr 2030. IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch: "Der jährliche CO2-Anstieg ist scheinbar unaufhaltsam, das Jahr mit dem globalen CO2-Peak und damit der Wendepunkt noch nicht absehbar. In Paris wird mit dem Klimabeitrag der einzelnen Staaten ein erster wichtiger Schritt in Richtung Paradigmenwechsel getan, um sich aus der Sackgasse der CO2-Begrenzungen zu befreien. Der nächste Schritt könnte dann die eigentlich notwendige Diskussion um Investitions-Beiträge der Staaten zum globalen Klimaschutz sein".


Links und Medienresonanz
1. CERINA-Plan (Webseite) mit CO2-Emissionen der Länder 2014 und Soll/Ist-Vergleich der Investitionen
2. Allnoch, N. (2009): Der CERINA-Plan – eine Alternative zum Kyoto-Instrument, In: FVEE Tagungsband zur Jahrestagung am 24.11.2009 in Berlin (deutsch, englisch)
3. Gesprächs-Einladung vom mexikanischen Staatspräsidenten Calderon, Vorstellung CERINA-Plan im Vorfeld von Cancun 2010
4. United Nations Conference on Trade and Development: Recent developments and new challenges in commodity markets, and policy options for commodity-based inclusive growth and sustainable development (Seite 13 English)
5. Reuters: China, U.S. green spending falling far short, says Germany's IWR
6. BBC: Bajaron las emisiones de CO2
7. Reuters: World 2011 CO2 emissions up 2.5 percent: German institute
8. Reuters Japan: 再送:〔情報BOX〕温暖化ガス主要排出国が示した削減目標や要求
9. Financial Bangladesh: BD needs $1.27b investment to face climate change impacts
10. The Sydney Morning Herald: C02 emissions hit new record on China surge
11. Renewable Energy Magazin: Global CO2 emissions exceeded 35 billion tonnes for the first time in 2013
Weitere Medien-Resonanzen mit IWR-Zitaten zum Cerina Plan und weltweiten CO2-Ausstoß
Jahre: 2009, 2010 , 2012, 2013

Interviews
1. Interview mit Dr. Norbert Allnoch zum Thema globaler Klimaschutz und dem CERINA-Plan (CO2 Emissions and Renewable Investment Action Plan): "Investieren und nicht feilschen", in: Sonne, Wind & Wärme 06/2015, S. 6 -8.
2. Westfälische Nachrichten: Klimagipfel in Doha: Drei Fragen an: Dr. Norbert Allnoch

Aktuelle Pressemitteilungen und IWR Online-Meldungen zum Cerina-Plan und CO2-Ausstoß
1. Rekord: Weltweiter CO2-Ausstoß steigt 2013 erstmals auf über 35 Milliarden Tonnen
2. Klimaschutzziele in Deutschland bis 2020 nicht zu erreichen
3. Klima: Weltweiter CO2-Ausstoß steigt 2012 um 1,3% auf einen neuen Rekordwert